Morgen, ja morgen, fang ich a neu’s Leben an

In Kurzform: Ab morgen arbeite ich in Teilzeit und habe 2 Stunden täglich exklusiv für’s Schreiben. Darauf freue ich mich, aber ich habe auch ein bisschen Angst davor.

Morgen fang ich ein neues Leben an. Hört sich pathetisch an? Ein bisschen schon, ich geb’s zu. Aber ab morgen reduziert sich meine hauptberufliche Arbeitszeit auf 80% und das bedeutet in mehrfacher HInsicht eine tiefgreifende Veränderung für mich.

Ich war schon einmal in meinem Leben teilzeitbeschäftigt, von 2003 bis 2009, damals erst um mehr Zeit für die Musik zu haben (ich wollte noch eine CD machen, was ich auch hingekriegt habe – allerdings war’s eine Punktlandung kurz vor der Geburt von Sohn#1), dann lief die Teilzeit einfach so weiter: ich hatte Zeit für die Kinder, für’s Marathontraining etc. Mit unserer Entscheidung, einer Baugruppe beizutreten und unser Haus zu bauen bin ich dann wieder auf 100% zurückgegangen. Das liebe Geld. Nicht dass Ihr das falsch versteht: Ich arbeite gerne, ich mag meinen Beruf, meine Kollegen, meine Firma, und möchte, um mein Haupteinkommen zu erzielen auch gar nichts anderes machen.

Seit fünf Jahren schreibe ich nun, meine Bücher werden veröffentlicht und eines kriegte sogar einen Preis. Damit verbunden sind Ansprüche an mich: am liebsten jedes Jahr ein neues Buch (Verlag), Lesungen (Leser, Festivals und Buchhändler), Ausflüge zur Buchmesse, Autorenstammtische u.a. (ich selbst). Dass das in Kombination mit einem 100% Job, einer Ehefrau, zwei Kindern, einem Hund und noch weiterem ehrenamtlichem Engagement kaum zu bewältigen ist, ist wohl jedem klar. Immer wieder haben mich die Leute bei Lesungen gefragt: »Wie machen Sie das eigentlich?« Am Anfang lautete die Antwort »Ich weiß es nicht, irgendwie funktioniert’s weil meine Frau mich unterstützt, und außerdem haben wir keinen Fernseher.« Später dann, vor allem Ende letzten und Anfang dieses Jahres antwortete ich eher mal »Es funktioniert gar nicht mehr, darum lege ich jetzt erst mal eine Pause ein.«

Es war nicht mal so, dass ich gar keine Zeit mehr gefunden hätte, zu schreiben. Ich habe auch geschrieben, in den Pfingsferien zum Beispiel ein Drehbuch, dass ich für einen Wettbewerb in den USA eingereicht habe. Aber was immer ich in meiner Freizeit tat, es war immer mit einem schlechten Gewissen behaftet. Wenn ich schrieb, tat es mir leid, dass ich die Zeit nicht mit der Familie verbrachte oder nicht mehr im Haushalt machte. Wenn ich dann mal was mit Frau und Kindern unternahm, hatte ich wieder ein schlechtes Gewissen, weil die Texte da lagen und es nicht weiter ging. Irgendwie immer ein schlechtes Gefühl. Wenn ich darüber nachdenke, dass die Nebenberufsautoren in der Literaturgeschichte immer in der Mehrzahl waren (weil man mit dem Schreiben eigentlich noch nie richtig Geld verdienen konnte), frage ich mich, wie in den letzten zweihundertfünfzig Jahren überhaupt soviele Bücher produziert werden konnten.

Aber ab morgen arbeite ich in meinem Hauptberuf nur noch 6 Stunden täglich. Den Rest der Zeit, die ich sonst einfach länger im Büro geblieben wäre (oder in meinem Fall: früher angefangen hätte), schreibe ich. Ich bin offiziell ein Teilzeitautor, kein Hobbyautor mehr. Das ist ein ziemlich gutes Gefühl. Keine konkurrierenden Freizeitaktivitäten mehr. Ich kann schreiben und trotzdem abends mit meiner Frau weggehen, Orgakram erledigen, mit der Familie was am Wochenende unternehmen oder mal länger mit dem Hund gehen, ganz ohne schlechtes Gewissen.

Aber ich habe auch Angst, das gebe ich offen zu: die Umstellung auf Teilzeit bedeutet auch einen Einkommensverlust für mich. Einen substantiellen Einkommensverlust. Wer gebaut hat und Kinder in der Schule, der weiß, was da für monatliche Belastungen entstehen. Es ist mein mittelfristiges Ziel, dieses Minus mit Tantiemen und Honoraren auszugleichen und später auch zu übertreffen. Zwar habe ich inzwischen mit drei Romanen genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen, dass ich genug und ausreichen qualtitativen Output produzieren kann, und solange ich gesund bleibe, sollte das auch bleiben. Aber die Buchbranche ist unberechenbar, man ist als Autor den Verlagen ziemlich ausgeliefert und auch wenn meine Leser meine Bücher mögen, gehöre ich ja eher zu den großen Selbstzweiflern. Das erste Mal das reduzierte Gehalt auf dem Bankauszug zu sehen, war jedenfalls schon mal ein kleiner Schock.

In jedem Fall aber überwiegt die Freude die Sorge, dass das Leben als Teilzeitautor nicht so klappt, wie erwartet. Und Ihr könnt mich am besten dabei unterstützen, wenn ihr meine Bücher kauft, und weiterempfehlt.

Morgen also fängt ein neues Leben an. Wie aufregend!

Euer Marc

Advertisements

3 Gedanken zu “Morgen, ja morgen, fang ich a neu’s Leben an

  1. Hallo Marc,

    ich finde Du hast einen tollen und mutigen Schritt gewagt, Dich mehr auf das Schreiben Deiner Bücher zu konzentrieren! Natürlich hast Du eine finanzielle Einbusse momentan, aber wenn Du Dich nun mehr auf das Schreiben und Marketing Deiner Bücher konzentrieren kannst, kannst Du das auf langfristige Sicht bestimmt ausgleichen. Allerdings verstehe ich es so, dass Du nur über den traditionellen Weg eines Verlages gehst, oder? Wie sieht es für Dich aus, es mit Self-Publishing zu versuchen? Ich wäre auf jedenfall auf die Unterschiede gespannt!

    Viel Erfolg und frohes Tippen!

    Nicole

    1. Liebe Nicole, tatsächlich beschreite ich ja schon 2 Wege simultan: meine Printbücher erscheinen bei Verlagen, das Laufbuch erscheint als Ebook selbst verlegt bei Amazon KDP. Für mich können beide Vertriebswege nur nebeneinander bestehen, keiner schließt den anderen aus.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s