Veranstaltungen – eine Übersicht

Hier könnt ihr mich live erleben:

HEILBRONN, Montag, 23. September 2017, 18:00 Uhr
Im Vorprogramm des Stücks „Running“ im Theaterfoyer lese ich mal wieder aus „Lauf, du Sau!“

LUDWIGSBURG, Sonntag, 15. Oktober 2017
Literaturfest Ludwigsburg im Kulturzentrum

WEINGUT WILKER / PLEISWEILER-OBERHOFEN, Freitag, 3. November 2017, 19:00 Uhr
Lesung im Rahmen der Pfälzer Krimifestivals aus meiner Geschichte „Etikettenschwindel“

 

Die Kannibalin mit der Geige

Okay Leute. Hammer-Titel, Hammer-Geschichte:

„DIE KANNIBALIN MIT DER GEIGE“.

Kein unentdeckter 70er Jahre-Exploitation-Film von Marino Girolami, sondern mein neuer Jerry Cotton.

Jeder meiner Heftromane hat einen Spitznamen.
Nummer eins (Der Tod lauert überall) ist mein Kim Jong Un Cotton.
Nummer zwei (Unsterblich ist nur der Tod) ist „The Revenant“.
Nummer drei (Die Kannibalin mit der Geige): „MIdnight Run“

NUmmer vier (Operation Gold – habe ich diese Woche abgegeben): „James Bond“.

Hier der Klappentext. Eat this!

In Detroit war angeblich die seit über dreißig Jahren verschollene Totenberg Stradivari auf dem Dachboden eines kürzlich verstorbenen Musiklehrers entdeckt worden. Die einzige Person, die das Instrument zweifelsfrei identifizieren konnte, war die ehemalige Stargeigerin Yang Ping. Doch die saß im Creedmoor Psychiatric Center in New York, weil sie ihren Lehrer und Mentor, Professor Jonathan Dixon, den rechtmäßigen Besitzer der Geige, vor zwanzig Jahren auf bestialische Weise umgebracht und Teile von ihm verzehrt haben sollte. Nach mehreren gescheiterten Versuchen war es an Phil und mir, die Frau nach Detroit zu überführen. Dabei erlebten wir nicht nur eine Überraschung …

Unsterblich ist nur der Tod

Mein zweiter Jerry. Der „Revenant“ unter den Cottons.

Am Ufer des Kentucky River wurden innerhalb einer Woche zwei männliche Leichen angeschwemmt – mit jeweils drei Schüssen in der Brust. Die toten Männer, Donald Krupp und Chuck Campbell, waren den Behörden nicht unbekannt. In mehreren Bundesstaaten hatte das FBI bereits wegen schwerer Gewaltverbrechen nach ihnen gefahndet. Jetzt schienen die beiden Verbrecher irgendjemandem in die Quere gekommen zu sein. Als Phil und ich uns an die Ermittlungen machten, schien es, als jagten wir einen Geist …

Der Tod lauert überall – oder: Warum ich gerne Jerry Cotton-Autor bin

Ja, ich schreibe als Autor für Jerry Cotton. Manche Autoren geben das nicht gerne zu, weil Heftromane immer noch bei vielen als Schund gelten. Ich sehe das anders. Und ich habe eine ganz persönliche Beziehung zu Jerry Cotton.

Ende 2016 erfuhr ich, dass die Krimireihe Jerry Cotton von Bastei Lübbe neue Autoren sucht. Ich hatte anders als viele Autorenkollegen als Jugendlicher mit der Serie nichts anfangen können, oder zumindest erinnerte ich mich nicht daran, die Hefte je gelesen zu haben. Eine Gedächtnislücke, wie sich später herausstellte.

Ich habe ja schon immer zu den Leuten gehört, die gerne mal was Neues ausprobieren: Marathon laufen, das Rasieren mit dem Messer lernen, Bücher schreiben, eine Weltreise machen. Warum nicht mal an einer Heftromanserie mitschreiben?

Natürlich hatte ich keinen Schimmer, ob ich so etwas überhaupt kann: in einem festen Rahmen schreiben, mit vorgegebenem Personal, vorgegebener Seitenzahl, in einem Setting, das nicht weiter von meiner Lebensrealität entfernt sein könnte. Aber ich wollte es zumindest versuchen.

Also ließ ich mir die nötigen Unterlagen schicken, kaufte mir eine Handvoll Jerry Cotton Heftromane und begann zu lesen.

Ich war gelinde gesagt überrascht, und zwar positiv! Vom Niveau der Geschichten, von der Sprache, von der effizienten Erzählkunst. Keine Ahnung, was ich erwartet hatte. Vermutlich eben – Schund. Aber das war kein Schund, sondern professionell geschriebene Gebrauchsliteratur. Und die erste Geschichte – es ging um die Verquickung von Mafia und Gewerkschaften im New Yorker Baugewerbe – war sogar ziemlich faktentreu, wie mir eine Schnellrecherche bei Google zeigte.

Vor einigen Jahren war ich Teil der Jury für den Debüt-Glauser. Und was einem da so (als preiswürdig empfunden) vorgelegt wurde, davon war einiges nicht mal annähernd auf dem Niveau, das mir nun bei Jerry Cotton begegnete.

Einen der Romane habe ich komplett analytisch zerlegt: wieviele Szenen, wie lang ist eine Szene etwa, wie ist die Geschichte aufgebaut (ich habe ein kurzes Expose für diesen erschienenen Roman geschrieben, um zu sehen, wie die Spannung erzeugt wird, was geht und und was nicht). Habe meine Erkenntnisse mit dem Reihenexposé, das ich von Lübbe geschickt bekam, abgeglichen und mich an das Exposé meines eigenen ersten Heftromans gemacht.

So schlecht kann das Exposé nicht gewesen sein, denn mit Ausnahme kleinerer Verbesserungswünsche kam das GO innerhalb weniger Tage. Also setzte ich mich hin und schrieb. Und erlebte etwas, das mir beim Schreiben seit Jahren nur sehr selten widerfahren ist: den FLOW.

Schreiben ist für mich eigentlich anstrengend. Vermutlich setzte ich meinen Anspruch an mich selbst viel zu hoch an (ob ich den auch halten kann, steht auf einem ganz anderen Blatt…). Aber in diesem Fall ging mir die Geschichte erstaunlich leicht von der Hand. Warum nur? Ich versuche mich an einer Erklärung.

Die Länge: wenn man weiß, dass man bloß 120 Seiten vollmachen muss, steht man bildlich gesehen nicht vor dem Roman-Matterhorn, sondern bloß vor einem Roman-Brocken. Das hilft psychologisch sehr. Die kurze Form hat auch Konsequenzen im Nachklapp: schnellere Überarbeitung, schnelleres Korrekturlesen, einfachere Struktur des Geschichte, keine Nebenhandlungen oder Abschweifungen.

Die Figuren: viele Leute mögen es als Einschränkung empfinden, aber sein Stammpersonal komplett durchdefiniert zu haben, kann eine echte Erleichterung sein. Dazu kommt, dass die Hauptfiguren wegen des Reihencharakters keinen emotionalen Bogen innerhalb der Geschichte durchlaufen. Verändern tun sich die anderen, die Täter oder Opfer, wenn überhaupt. Das spart einem unglaublich viel Arbeit. Aber man muss sich mit den Hauptfiguren wohlfühlen. Oder lernen, es zu tun. Nicht jedermanns Sache. Bei mir klappte das sehr gut.

Empathie für die Figuren: eine sehr wichtige Erkenntnis war, dass ich bislang immer relativ wenig Empathie mit meinen Romanfiguren empfunden habe. Weil sie nicht überhöht sind, sondern relativ normale Leute mit all ihren Problemen und Fehlern. Manchmal mit ein bisschen mehr Problemen als andere, um sie möglichst interessant zu machen. Oder ein bisschen dümmer als wir alle, um es ihnen schwerer zu machen, den Fall zu lösen. So oder so niemand, mit dem ich so richtig befreundet sein wollte. (Wäre ein Thema für einen ganz eigenen Beitrag: Sollte man als Autor mit seinen Protagonisten befreundet sein wollen?) Bei Jerry und Phil ist das anders. Sie dürfen, ja müssen 100% gut sein. Sie tun nichts Falsches, Dummes, Böses – höchstens in guter Absicht (jaja, der Weg zur Hölle…). Alle nehmen ihre Job ernst, halten sich an die Regeln, auch wenn es manchmal weh tut, das gilt für Jerry genauso wie für die Nebenfiguren, z.B. Mai-Lin Cha, Concita Mendez, Mr High etc. Die Guten arbeiten im Team und nicht gegeneinander. Dazu später mehr. Die Komplikationen entstehen nur selten daraus, dass die Protagonisten Fehler machen (höchstens mal eine Nachlässigkeit), sondern weil die Gangster so clever sind. Das macht es einem als Autor relativ leicht, sie alle zu mögen. Bei meinen Jerry Cotton Romanen habe ich, anders als bei meinen eigenen Büchern, am Schluss doch tatsächlich leichte Melancholie empfunden, die Figuren gehen zu lassen und sie den Kollegen zu überlassen, die ihnen andere Geschichten schreiben. Das war bei meinen Romanen nie so, da war ich immer froh, wenn’s vorbei war.

Die Struktur: Jerry Cotton Romane sind schlicht strukturiert und total Plot-zentriert. Mir als plot-orientiertem Autor fällt das leicht. Die Verwicklungen sind relativ simpel: Spur A führ zu Spur B, die wiederum zu Spur C und so weiter. Die Leistung von Jerry und Phil besteht darin, die Spuren zu finden und zu verknüpfen, dabei hilft ihnen ihre Erfahrung, das Teamwork, ihre Partnerschaft. Klassische Whodunits halt.

Klischee: Jerry Cotton Romane stecken voller Klischees. Das mag man belustigend finden, für mich als Autor, der hart daran arbeiten muss, Klischees zu vermeiden, ist das aber befreiend und macht mir die Arbeit leicht. Da dürfen Sprüche fallen, die jedem deutschen Lektor die Haare zu Berge stehen ließen (wenn er noch welche hat…), da dürfen Figuren aussehen, wie aus einem James-Stewart -Film der sechziger oder sich benehmen wie John Wayne oder Ernest Borgnine. Weil ich in den Siebzigern und Achtzigern mit solchen Figuren im Vorabendprogramm aufgewachsen bin, finde ich leicht in so eine Welt hinein. Ich kann Bilder und Töne abrufen, die ich gespeichert habe, seit ich zehn Jahre alt bin.

Die Abläufe: Bei Heftromanen läuft einiges anders, als bei einem Roman. Zum Beispiel gibt es nur ein redaktionelles Lektorat. Das bedeutet, ich gebe den Text ab und der Verlag macht damit was er will. Schreibt um, streicht, ergänzt, alles ohne mein Zutun. Da mein Name nicht auf dem Cover steht, ist das für mich kein Problem, Es spart mir einen Haufen Überarbeitungen und ich kann mich auf das konzentrieren, was mir besonderen Spaß macht: mir die nächste Geschichte ausdenken.

Geschichtenkoller: Wenn man wie ich eineinhalb Jahre an einem Roman arbeitet, kommt früher oder später der Blues. Man findet die zugrundeliegende Idee auf einmal blöd, die Figuren gehen einem auf die Nerven, jemand anderes hat schon was ganz ähnliches gemacht etc. Meistens passiert das so nach ca. 100-150 Seiten oder zur Halbzeit. Ein Jerry Cotton Heftroman ist da schon zu Ende, und daher kommt man gar nicht in diese blaue Phase.

Öffentlichkeit: Als Jerry Cotton Autor ist man halbwegs anonym. Es ist nicht verboten, dass jemand wie ich sich bekennt und auch die Titel angibt, die er geschrieben hat, aber von Verlagsseite ist der Autor Jerry Cotton selbst und das ist auf den Online-Plattformen ebenso. Diese Anonymität hat auch Vorteile. Bei den Heftromanen komme ich nicht auf die Idee, jede Woche nachzusehen, ob schon ein Leser eine Rezension geschrieben hat oder in irgendeiner Zeitung eine Kritik erschienen ist. Das ist ebenfalls befreiend. Und wenn jemand eine schlechte Rezension schreibt, bleibt das nicht an einem persönlich hängen.

Die Bezahlung: Als Heftromanautor gilt das Buy-Out Verfahren. Man erhält bei Abgabe ein festes Honorar, für weitere Auflagen (in der Regel eine) gibt es noch mal ein Zubrot in geringerer Höhe. Man profitiert nicht von höheren Auflagen, aber man muss sich auch nicht mit jährlichen Abrechnungen herumschlagen oder dem Verlag wegen des Geldes hinterher rennen. Ganz ehrlich: dass Jerry Cotton überraschend in die SPIEGEL-Bestseller-Liste einsteigt, ist nicht zu erwarten, darum finde ich das mit dem Fixhonorar völlig okay. Alle Partner wissen woran sie sind.

Schreibschule: Für Jerry Cotton zu schreiben ist eine ausgezeichnete Schule. Nirgends sonst ist man gezwungen, sich derart rigide an Regeln zu halten, inhaltliche wie formelle. Für jemanden wie mich, der gerne viel Text produziert, der aber am besten straff gekürzt gehört, ist das eine super Schule. Auf den Punkt erzählen, sich auf das Wesentliche konzentrieren, die Spannung hoch halten, im Universum bleiben, das lernt man hier. Ich glaube, mein nächster Roman wird besser, weil ich gelernt habe, mich kürzer zu fassen. Eigentlich sollte ein Verlag, der Heftromane macht, seine Neuautoren  zwingen, hier einzusteigen, bevor sie ihre Romane veröffentlichen dürfen, einfach weil man sich als Autor dadurch verbessern kann.

Geschwindigkeit: Die Verlagswelt plant gerne lange im Voraus. Bei den großen Publikumsverlagen kann schon mal ein Jahr vergehen, bis ein abgegebenes Manuskript als Buch erscheint. Frustrierend. Bei Heftromanen geht alles ein bisschen schneller. Meinen ersten Jerry Cotton habe ich Ende Februar abgegeben, Anfang Mai erscheint er. Den zweiten habe ich jetzt (Ende März) abgegeben, er kommt Ende Mai raus. Ich finde das alles sehr angenehm.

Flexibilität: Durch die kurzen Rhythmen wechseln sich Phasen des intensiven Schreibens und der Ruhe schnell ab. Einen Monat schreibe ich einen Heftroman, dann mache ich Ferien vom Autorendasein, dann schreibe ich wieder. Wenn die Zusammenarbeit mit Verlag und Lektorat zufriedenstellend läuft (und bei den Heftroman-Verlagen arbeiten – jedenfalls im Moment – Profis, mit denen sich gut kooperieren lässt, und die auch ihre Honorare regelmäßig zahlen), dann hat man es als Autor selbst in der Hand wie viel und wie oft man arbeitet. Für einen Nebenerwerbs-Autor wie mich perfekt.

Ich könnte noch ein paar mehr Gründe nennen, und vielleicht schreibe ich noch einen weiteren Beitrag zu dem Thema, aber für jetzt soll es genügen. Ich hatte ja angekündigt, dass ich eine persönliche Beziehung zu Jerry Cotton habe und das will ich jetzt erklären.

Als ich meiner Mutter erzählt habe, dass ich jetzt für Jerry Cotton schreibe, erzählte sie mir, dass mein Vater, der vor über dreißig Jahren mit erst 44 Jahren gestorben ist, nie Romane gelesen hat, weil sie ihm zu lang waren. Aber er hat Jerry Cotton gelesen. Angeblich lagen bei uns auf dem Klo immer stapelweise Heftromane herum. Ich hatte das nur vergessen.

So schließt sich der Kreis: mein Alter las die Dinger, ich schreibe sie jetzt.

 

Rezension der SIPPE im Esslinger ECHO

„Vor dem Hintergrund der Reichsbürger-Debatte ist der Krimi des Ludwigsburger Autors Marc-Oliver Bischoff hoch aktuell. Ihm gelingt es, einen nachvollziehbaren Einblick in diese Parallelgesellschaft zu gewähren und verwebt dies mit einem spannenden Plot.“

Danke an das Esslinger ECHO!

Quelle: Echo – Ihr Anzeigen- und Wochenblatt für die Region Esslingen » Schmückt jeden Tannenbaum